UNSER ZIEL: Theater in die Schule!

aus: Frankfurter Rundschau, 27. August 2019

Plädoyer für Schulfach Theater in Hessen

von Pitt v. Bebenburg

 

Wie können Kinder und Jugendliche im Zeitalter der virtuellen Kommunikation lebendige Begegnung erfahren? Kulturschaffende in Hessen machen Vorschläge und schildern eine Reihe von Problemen.

Alle Kinder und Jugendlichen sollen die Gelegenheit bekommen, sich selbst beim Theaterspielen auszuprobieren und Stücke von professionellen Theatern zu sehen. Die Forderung nach einem Schulfach Theater an allen Schulformen zieht sich durch zahlreiche Stellungnahmen von Kulturschaffenden an die hessische Landespolitik.

 

Zwar loben die Akteure und Verbände Landesprogramme wie „Tusch“, „Flux“ und den Kulturkoffer, die Schülerinnen und Schülern das Theater in Projekten näherbringen. Aber „nur ein Schulfach garantiert in unserem allgemeinbildenden Schulsystem, dass alle Menschen professionellen Zugang erhalten“, argumentiert Joachim Reiss von der Landesvereinigung Kulturelle Bildung.

Das Ziel sei erst erreicht, wenn die Darstellenden Künste in den Stundentafeln auftauchten und von Fachlehrkräften unterrichtet würden, formuliert Ruth Kockelmann, Vorsitzende des Landesverbands Schultheater in Hessen. Dafür sei es auch erforderlich, das Fach Theater/Darstellendes Spiel als Studiengang an einer hessischen Uni anzubieten. Bisher müssten die Studierenden dafür nach Hannover, Berlin oder Rostock ausweichen, beklagt Kockelmann.

 

Anhörung am Donnerstag

Der Landtag hat die Theaterleute und Vertreter der soziokulturellen Zentren für Donnerstag zu einer Anhörung eingeladen, um über ihre Situation zu berichten und Vorschläge zur Kulturpolitik zu unterbreiten. Vorab haben mehr als 30 Institutionen und Verbände bereits schriftliche Stellungnahmen abgegeben.

Darin beschreiben sie teilweise in eindringlichen Worten, warum Theater heute so eine große Bedeutung hat. „Gerade in diesem Zeitalter der virtuellen Kommunikation ist Theater ein einzigartiger, unentbehrlicher, unersetzbarer magischer Ort lebendiger Begegnung und unmittelbarer sinnlicher Erfahrung“, sagen Bettina Kaminski und Reinhard Hinzpeter vom Freien Schauspiel Frankfurt. „Alles ist hier und jetzt und wirklich. Ein soziales Erlebnis der besonderen Art, das die Menschen emotional zusammenführt und sich anders spüren lässt als Daheim allein vor dem Bildschirm.“

 

Die prekären Arbeitsverhältnisse und die schlechte Bezahlung an den Bühnen brennt vielen Beteiligten unter den Nägeln. Die Mindestgage liege laut Tarifvertrag bei 2000 Euro brutto monatlich, berichten sie. „Davon kann man in einer Stadt wie Frankfurt kaum auskommen“, heißt es in der Stellungnahme des Schauspiels Frankfurt. Das Haus sei bemüht, auch Anfängerinnen und Anfänger höher zu entlohnen. „Dies wird aber vermehrt immer schwieriger, da unser Träger, die Stadt Frankfurt, die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst, die auch bei uns umzusetzen sind, nicht mehr umfassend übernimmt.“

 

Auf das gleiche Problem weist auch die Oper Frankfurt hin. Es stelle sich die Frage, „ob langfristig nicht wie in anderen großen Städten ein Finanzierungsmodell gefunden werden muss, an dem sich das Land Hessen verstärkt beteiligt, um die Oper vor gravierenden Einschnitten zu bewahren“, schreibt Achim Sieben, der persönliche Referent von Opernintendant Bernd Loebe. Mehrere Anzuhörende verweisen auf die geänderte Verfassung. Per Volksabstimmung war Kultur im vergangenen Jahr als Staatsziel in die hessische Landesverfassung aufgenommen worden.

 

Studie: Darstellende Künste und Schule in Hessen
assitej-studie-darstellende_kuenste_und_[...]
PDF-Dokument [499.0 KB]
THEATER MUSS SCHULE MACHEN! Qualitätsoffensive des Bundesverbandes Theater in Schulen
THEATER MUSS SCHULE MACHEN_aktualisier[...]
PDF-Dokument [571.9 KB]

Theater in die Schule!

Theater ist wie Kunst und Musik ein wesentlicher Teil unserer Kultur.

Deshalb gehört es zum Kernbereich der ästhetischen Bildung in der Schule.

Wir setzen uns dafür ein, dass alle Schülerinnen und Schüler in allen Schulstufen und -formen die Möglichkeit erhalten, an Theaterunterricht teilzunehmen.

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Unser Aktionsplan:

Aktionsplan Darstellende Künste und Schule in Hessen
Präambel


Die künstlerische Arbeit mit und von Kindern und Jugendlichen findet gleichermaßen in professionellen Kontexten wie im Schultheater statt. Beide ergänzen und inspirieren einander. Darstellende Künste für junges Publikum sind per se Kulturelle Bildung. Die Arbeit von Theaterlehrer*innen basiert auf künstlerischen Verfahrensweisen. Produktion und Rezeption der Darstellenden Künste stehen gleichberechtigt nebeneinander.
Schule ist der Ort, der allen Kindern und Jugendlichen die Teilhabe an kultureller Bildung unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Wohnort gewährleistet. Die gesetzlich festgelegte Selbstverpflichtung der Hessischen Landesregierung, Kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche in besonderem Maße zu fördern, muss also in Schule und der Kooperation von Theater/Darstellenden Künsten und Schule ihren Niederschlag finden. Die Empfehlungen für die Entwicklung der Zusammenarbeit der „Darstellende Künste und Schule in Hessen“ wurden erarbeitet von der Arbeitsgruppe Darstellende Künste und Schule in Hessen.1 Die Empfehlungen wurden ausgehend von den Ergebnissen der Studie „Darstellende Künste und Schule in Hessen“ der ASSITEJ e.V. aus dem Jahre 2018 formuliert.

 

Grundsätzlich ergibt sich aus der Studie:
Die Arbeit im Bereich der Darstellende Künste an Schulen muss erhalten und erweitert werden.
Dazu bedarf es einer Überarbeitung und Aktualisierung der Rahmenvereinbarungen zur Zusammenarbeit von Theatern und Schulen und wesentlich die Bildung einer Interministeriellen Arbeitsgruppe, in der die Ministerien für Wissenschaft und Kunst, das Kultusministerium und das Sozialministerium vertreten sind. Die AG Darstellende Künste und Schule soll zukünftig als Fachbeirat im Auftrag dieser IMAG agieren. Die Vertreter*innen können an diversen Stellen (in Jurys und anderen Beiräten) als Expert*innen für Darstellende Künste und Schule agieren, und so die Entwicklung in diesem Bereich durch ihre Expertise unterstützen.


1. Die Darstellenden Künste brauchen eine curriculare und personelle Verankerung in den Schulen.
Um dies zu realisieren gilt es, analog zur Sekundarstufe II das Fach Darstellendes Spiel in der Primar- und Mittelstufe einzuführen. Die vorhandenen Programme „Theater für ALLE!“ (Grundschule) und „KulturSchule“ (Sekundarstufe I) sind auszubauen und zu erweitern, um mögliche weitere wegweisende Modellschulen im Bereich Darstellende Künste zu etablieren. Darstellende Künste brauchen in der Schule einen sicheren Platz: als Unterrichtsfach, fächerübergreifend oder auch in der Zusammenarbeit mit Künstler*innen. Die Verankerung der Darstellenden Künste im Regelunterricht Darstellendes Spiel ist ebenso vonnöten wie der Ausbau nonformaler Bildungsangebote.


2. Qualifizierung von Lehrkräften für das Darstellende Spiel an Schulen
Die Etablierung eines Studienangebots Darstellendes Spiel an einer hessischen Hochschule im Rahmen der ersten Phase der Lehrerausbildung ist für die Qualität und Kontinuität der Darstellenden Künste in der Schule unerlässlich. Des Weiteren ist, um ein nachhaltiges und flächendeckendes Angebot im Fach sicherzustellen, die Fortsetzung der hessischen Weiterbildungskurse „Darstellendes Spiel“ für Lehrkräfte für alle Schulformen zu gewährleisten. Die in diesem Bereich bereits vorhandenen Kontakte zwischen Institutionen der Lehrerbildung und professionellen Theatern sind zu vertiefen.


3. Schule und Darstellende Künste in kommunalen Bildungslandschaften
Schule sollte als Teil eines übergreifenden sozialräumlichen Zusammenhangs begriffen werden. Das impliziert sowohl ein Verständnis von Schule als kulturelles Zentrum für Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern, Kunstschaffende und Öffentlichkeit wie auch die Ermöglichung von Kunstbegegnungen über den Schulhof hinaus. Dies heißt auch, hierfür die entsprechenden Zeiträume und Räume zur Verfügung zu
stellen und die entsprechenden Strukturen zu etablieren. Dies gilt insbesondere für die Ganztagsschulen. Hierfür müssen den Schulen Budgets und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Um die Darstellenden Künste nachhaltig zu fördern, ist ein ressortübergreifendes Arbeiten unabdingbar. Anzuregen wäre die Gestaltung kommunaler Bildungslandschaften unter Einbezug der Institution Schule, der Kommune und den Darstellenden Künsten. Es gilt hier an den bereits vorhandenen Netzwerken und Strukturen anzuknüpfen und zu gewährleisten, dass die Angebote der freien Theater abgerufen werden können. Die Kommunen müssen in die Lage versetzt werden, Mittel für Kunst für Kinder und Jugendliche - beispielsweise durch Vergabe von Kulturgutscheinen – bereitzustellen.


4. Netzwerke und Vermittler*innen stärken
Kulturelle Bildung braucht verbindliche Ansprechpartner*innen von Seiten der Darstellenden Künste, den Schulen und den Kommunen. Vorhandene Netzwerke und Koordinierungsstellen gilt es zu stärken.2 Koordinierungsstellen in Kommunen (bzw. Kreisen) vor allem in ländlichen Räumen wären zu etablieren, denn Organisation und Koordinierung sind wesentlich. Dazu gehört auch die Stärkung der Rolle der Vermittler*innen an den Schnittstellen von Darstellenden Künsten und Bildung. Die Akteur*innen müssen auskömmlich entlohnt werden. Die Vernetzung der Darstellenden Künste, Schulen und Kommunen ist zu befördern. Tandem- und Tridemstrukturen sind auszubauen.


5. Förderung sichern – Darstellende Kunst in der Schule braucht künstlerische Qualität
Die künstlerische Arbeit von Darstellenden Künstler*innen in Bildungskontexten ist ein relevantes Praxisfeld. Förderung kultureller Bildungsprojekte kann jedoch kein Ersatz für Produktionsförderung sein. Die Förderung als Bedingung für die Darstellende Kunst in der Schule ist zu sichern. Künstlerisches Können, Kenntnis künstlerischer Verfahrensweisen an den Schnittstellen von Kunst und Bildung, Ergebnisoffenheit und Prozessorientierung sind hier ebenso wesentliche künstlerische Qualitätskriterien wie Heterogenität, Inklusion und Transkulturalität.
Dies umfasst sowohl den Bereich der Rezeption wie den der Produktion. Um die Darstellenden Künste in der Schule qualitativ weiterzuentwickeln, werden Qualifikationsmöglichkeiten und Weiterbildungen für die Akteur*innen aus allen Bereichen benötigt, beispielsweise mobile Akademien.


6. Regionale Strukturen entwickeln
Gastspiele an Schulen und Kooperationen mit Schulen sind weiterhin gezielt und qualitativ zu fördern. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit Veranstaltern vor Ort. Eine Vorschlagsliste mit qualitativ hochwertigen Angeboten hessischer Akteur*innen sollte alljährlich von Experten erstellt werden.


7. Kunst über den Schulhof hinaus—Ausbau des FLUX- Residenzprogramms
Die temporären FLUX Residenzen ermöglichen Generationenbegegnungen, sind ortsspezifsch angelegt und initiieren vielfältige Begegnungen mit den zeitgenössischen Darstellenden Künsten. Das Programm gilt es zu stärken, strukturell abzusichern und auszubauen. Es sollte durch Schulresidenzen erweitert werden. Dort sollten künstlerische Theaterarbeiten entstehen, die speziell für den schulischen Raum konzipiert werden und mobil spielbar sind. Hierzu gehören Klassenzimmerstücke ebenso wie Produktionen mit Schüler*innen.


8. Produktionshäuser für die Darstellenden Künste in ländlichen Räumen etablieren.
Produktionszentren für die Darstellenden Künste für junges Publikum sowie für das Theater der Kinder sollen auch in ländlichen Räumen etabliert und gefördert werden, um Begegnungsorte für alle Generationen zu schaffen.

 

Fußnoten

1Sie setzt sich zusammen aus Vertreter*innen des Hessischen Kultusministeriums, der Verbände ASSITEJ e.V., Landesverband Schultheater in Hessen e.V., laPROF Hessen e.V., des Landesverbands Theaterpädagogik, des Arbeitskreises der hessischen Kinder- und Jugendtheater sowie den Programmleiter*innen der Netzwerke FLUX, TUSCH Frankfurt, Schultheater-Studio, der Tanzplattform Rhein-Main und der Sprecherin der theaterpädagogischen Abteilungen der Stadt- und Staatstheater.


2 Fachberatungen Kulturelle Bildung, Koordinierungsstellen Kulturkoffer, FLUX, TUSCH, Landkulturperlen, AK Südwest, laPROF, Schultheater-Studio, LTPH, LSH.

Der Aktionsplan als pdf zum Herunterladen.
18.19 Aktionsplan Theater und Schule in [...]
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AUS AKTUELLEM ANLASS: Pressekonferenz der Fächer KUNST - MUSIK - THEATER!

... und mehr:

Kultur für alle – aber in guter Qualität!

Pressemitteilung des Rats für Kulturelle Bildung

 

Warum die Zahl außerunterrichtlicher Angebote Kultureller Bildung kein hinreichendes Indiz für den Erfolg Kultureller Bildung ist: Ein Zwischenruf des Rates für Kulturelle Bildung, rund 500 Tage vor der Bundestagswahl

 

Essen, 27. Mai 2016. Stehen die Chancen gut für die Kulturelle Bildung der nächsten Jahre? Deutet man die jüngsten politischen Signale aus Berlin, so sieht es danach aus. „Zumindest gilt das für die Quantität der Angebote Kultureller Bildung im non-formalen Bereich und ihre finanziellen Ausstattungen: Der Wille zur Fortsetzung des Programms ‚Kultur macht stark‘ über die Bundestagswahl 2017 hinaus oder die Initiative des neuen‚ BKM-Sonderpreises für kulturelle Projekte mit geflüchteten Menschen‘ zeigen dies in den vergangenen Wochen immer deutlicher“, sagt Prof. Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des Rates für Kulturelle Bildung und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelle Bildung an der Universität Erlangen-Nürnberg. Auch die aktuelle Aktionswoche ‚Kultur öffnet Welten‘ der Staatsministerin für Kultur und Medien stoße auf breite Resonanz in der Öffentlichkeit und beflügele damit eine Debatte über die Anforderungen im Bereich der Kulturellen Bildung.

Kultur für alle – aber in guter Qualität!

„Der bloße Blick auf Teilnehmerzahlen und leuchtende Kinderaugen reicht aber nicht aus“, so Liebau weiter. Eine der wichtigsten Anforderungen – das habe der Rat bereits 2013 in seiner ersten Denkschrift „Alles immer gut. Mythen Kultureller Bildung“ formuliert – sei die genauere Wahrnehmung und Reflexion der Realitäten in der Kulturellen Bildung: „Denn es gibt auch gescheiterte oder unausgereifte Projekte. Die Frage nach der Qualität muss daher systematisch gestellt werden. Dabei müssen dann auch die zahlreichen legitimatorischen Mythen Kultureller Bildung – dass eben alles immer gut sei – hinterfragt werden. Überzogenen Hoffnungen und Wirkungsversprechungen muss man gerade dann entschieden entgegentreten, wenn man Kulturelle Bildung nachhaltig fördern will.“

Teilhabe kann nur ermöglicht, Zugänge hingegen können gestaltet werden

Kultur für alle sei eine unverändert gültige Forderung. „Dieser Leitsatz ist in den nächsten Jahren aber kritisch zu erweitern: Kultur für alle – aber in guter Qualität und mit realistischer Wahrnehmung der Bedingungen, Prozesse und Ergebnisse“, so Liebau weiter. Bewusst stellte der zwölfköpfige, unabhängige Expertenrat daher die Qualitätsfrage ins Zentrum seiner Arbeit. Eine wesentliche Dimension der Qualität ist dabei die Frage der Teilhabe. Wer aber Teilhabe erreichen will, muss quantitativ hinreichende Zugänge eröffnen und qualitativ hochwertige Angebote machen – diese Botschaft formulierte die Denkschrift „Schön, dass ihr das seid. Kulturelle Bildung: Teilhabe und Zugänge“ im Herbst 2014. „So erfreulich das Wachstum in der außerunterrichtlichen Kulturellen Bildung auch ist, so bleibt die Frage der Grundversorgung im Sinne der Zugänge zu Kultureller Bildung insbesondere in der vorschulischen und schulischen Bildung doch unbefriedigend“, so Liebau weiter.

Keine systematische Qualitätssicherung vorhanden

Auch der erfreulich voranschreitende, bundesweite Ausbau der Ganztagsschulen lässt das Angebot Kultureller Bildung im unterrichtsergänzenden Bereich wachsen. „Aber was genau, nach welchen Maßgaben, in welcher pädagogischen Qualität und von welchen Kräften mit welcher Qualifizierung da angeboten wird, das weiß über Einzelbeispiele hinaus keiner so genau. Es gibt dafür weder hinreichend bestimmte Qualifikationsanforderungen noch eine Qualitätskontrolle, die auch nur annähernd jener für den Schulunterricht ähnelt“, ergänzt Eckart Liebau.

Doch ebenso im curricularen Bereich gelte es, sich den Realitäten stärker zu stellen. Im Sommer 2015 deckte die im Auftrag des Rates vom renommierten Allensbach-Institut durchgeführte Studie „Jugend/Kunst/Erfahrung – Horizont 2015“ auf: 17 Prozent der Schülerinnen und Schüler in 9. und 10. Klassen an allgemeinbildenden Schulen haben bundesweit keinen Kunstunterricht, 22 Prozent keinen Musikunterricht. Hinzu kommen 33 Prozent, bei denen Kunst und 27 Prozent, bei denen Musik mehr als selten ausfallen. Dieses Defizit können noch so gute außerschulische Programme nicht kompensieren. Auch aus diesem Grund ist die Entwicklung eines regelmäßigen Bildungsmonitorings für den gesamten Bereich der Kulturellen Bildung unabdingbar, so das Fazit des Expertenrates.

„Echte Teilhabe, statt bloße Teilnahme“

Die Allensbach-Studie macht zudem deutlich, dass ein Drittel der 9. und 10.-Klässler sich auch bei vorhandenem Angebot weder für Klassische Musik noch für Theater, Tanz oder weitere künstlerische Formen der Kulturellen Bildung interessiert – gleichgültig, ob sie im formalen oder non-formalen Bereich angeboten werden. Es ist also nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Angebote entscheidend, wie etwa die jüngste Denkschrift des Rates für Kulturelle Bildung „Zur Sache. Kulturelle Bildung: Gegenstände, Praktiken und Felder“ (2015) zeigt.

Liebau dazu: „Damit stellt sich in aller Schärfe die Frage nach der Qualität von künstlerischen Inhalten und pädagogischer Vermittlung. Das betrifft umso mehr Kinder aus bildungsfernen Milieus, die im Elternhaus nur wenig Unterstützung im kulturellen Bereich erfahren. Initiativen wie zum Beispiel die vielbeachtete Abschaffung des Eintrittspreises im Essener Folkwang-Museum zeigen, dass der Wegfall der monetären Hürde allein nicht ausreicht. Teilhabe setzt nicht nur Zugangsmöglichkeiten, sondern auch Teilhabefähigkeiten und -interessen voraus. Die entscheidende Aufgabe liegt daher darin, das Interesse für die kulturellen Gegenstände zu wecken und durch entsprechend attraktive und stabile Angebote zu stärken.“

 

Die fünf wichtigsten politischen Aufgaben

Aus diesen Gründen empfiehlt der Rat mit Blick auf die nahende Bundestagswahl 2017, die Weichen für eine gute Grundversorgung zu stellen, und zwar so, dass diese dem Anspruch „Kultur für alle“ tatsächlich gerecht werden könne:

1. Die künstlerischen Fächer und Bereiche im formalen Bildungsbereich müssen ausgebaut und aufgewertet werden, auch im Blick auf Abschlüsse und Berechtigungen.

2. Die Kulturelle Bildung im non-formalen Bereich muss auch in ihrer Qualitätsentwicklung systematisch gefördert werden.

3. Der Auf- und Ausbau Kommunaler Kultureller Bildungslandschaften ist besonders im Blick auf die Ganztagsangebote in der vorschulischen und schulischen Bildung eine dringende gesamtgesellschaftliche Aufgabe. 

4. Dabei muss eine evidenzbasierte Politik im Bereich der Kulturellen Bildung wesentlich stärker nach den wissenschaftlichen und den künstlerischen Grundlagen fragen. Notwendig sind ein regelmäßiges, umfassendes, unabhängig durchgeführtes wissenschaftliches Monitoring der Kulturellen Bildung und ein systematischer Ausbau der Forschung.

5. Nötig ist darüber hinaus die Weiterentwicklung von Strukturen der Qualitätsentwicklung und -sicherung auf wissenschaftlicher und künstlerischer Grundlage, etwa im Rahmen eines von Bund, Ländern, Gemeinden und Zivilgesellschaft getragenen Qualitätsinstituts.

 

Der Rat für Kulturelle Bildung sieht seine Aufgabe darin, mit seinen Analysen und Empfehlungen zu dieser Entwicklung beizutragen.

 

Über den Rat für Kulturelle Bildung

Der Rat für Kulturelle Bildung ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das sich umfassend mit der Lage und der Qualität Kultureller Bildung in Deutschland befasst. Ihm gehören zwölf Mitglieder an, die verschiedene Bereiche der Kulturellen Bildung repräsentieren: Tanz- und Theaterpädagogik, Musik- und Literaturvermittlung, Bildungsforschung, Erziehungswissenschaften, Pädagogik, Soziologie, Kulturwissenschaften, Medien, Kulturelle Bildung und die Künste.

Der Rat für Kulturelle Bildung ist eine Initiative der ALTANA Kulturstiftung, Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Karl Schlecht Stiftung, PwC-Stiftung, Robert Bosch
Stiftung und der Stiftung Mercator.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.rat-kulturelle-bildung.de

 

Theater als Schulfach

Ein Artikel zum Thema in der Frankfurter Rundschau vom 26. Dezember 2014

Resolution

Resolution: Künstlerische Schulfächer sind unverzichtbarer Teil des schulischen Bildungsauftrags
Deutscher Kulturrat setzt sich für künstlerische Schulfächer ein
03.25. Resolution künstlerische Schulfäc[...]
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